In Gaukönigshofen lebten zwar schon seit dem 17. Jahrhundert vereinzelt jüdische Familien, eine jüdische Gemeinde gab es aber erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Damals bildete der ritterschaftliche Freihof ein kleines jüdisches Viertel, das von einer Ringmauer umgeben war. Im Zentrum stand ein herrschaftliches Schlösschen und am Rand drängten sich 14 kleine Häuschen, in denen so genannte „Schutzjuden“ lebten. Ab 1716 gehörte das Areal den Freiherren von Rosenbach, die die Ansiedlung jüdischer Familien unterstützten. Dafür mussten sie einen Schutzbrief erwerben und Schutzgeld bezahlen. In einem der ritterschaftlichen Schutzjudenhäuser lebte Moyses Hirsch: Er ist der Stammvater einer einflussreichen jüdischen Familie. 1803, direkt nach dem Ende der fürstbischöflichen Herrschaft, erwarb er das Recht, sich in der Residenzstadt Würzburg niederzulassen. Seinem 1765 noch im Freihof in Gaukönigshofen geborenen Sohn Jakob wurde 1818 sogar als erstem jüdischem Untertan des Königreichs Bayern ein erblicher Adelstitel verliehen – er durfte sich fortan „Jakob von Hirsch“ nennen.
Außerhalb des Freihofs wurden damals nur zwei Anwesen von Schutzjuden des Fürstbistums Würzburg bewohnt.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerfielen die alten Herrschaftsstrukturen und Schritt für Schritt kam im Laufe des 19. Jahrhunderts die rechtliche Gleichstellung der jüdischen Einwohnerschaft voran. Das Schlösschen und die Gebäude des Freihofs konnten ab 1810 von den jüdischen Familien selbst erworben werden. Jüdischen Familien war es schließlich auch gestattet, den Freihof zu verlassen und ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. Bald besuchten jüdische Kinder den katholischen Kindergarten in Gaukönigshofen und jüdische Männer traten als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bei. Gegen den gesellschaftlichen Aufstieg der jüdischen Bevölkerung wurden jedoch auch immer wieder kritische Stimmen laut, die in haltlosen antisemitischen Vorurteilen wurzelten.
Louis Kleemann war der letzte jüdische Eigentümer des Schlösschens im ehemaligen Freihof. Er wurde 1939 zum Verkauf gezwungen und das herrschaftliche Haus später abgerissen. Die beiden heute noch erhaltenen Schutzjudenhäuser zählen zu den ältesten Gebäuden des Ortes. In einem der Häuschen befindet sich eine Pilgerherberge.
Karte
- Station 1: Der Bildstock Herz-Jesu
- Station 2: Der Bildstock - Kreuzigungsgruppe
- Station 3: Das Relief Tod Mariens
- Station 4: Das Rathaus
- Station 5: Die Katholische Pfarrkirche Hl. Schutzengel
- Station 6: Die Katholische Kapelle St. Nikolaus
- Station 7: Vom Betsaal zum Erinnerungsort
- Station 8: Ein.Tauchen – Das jüdische Ritualbad
- Station 9: Schutz und Herrschaft – Die Schutzjudenhäuser
- Station 10: Erinnerung weitertragen – Der Alte Bahnhof
- Station 11: Haus des ewigen Lebens – Allersheim