Lassen Sie sich die Geschichte vorlesen:
Übersicht aller Stationen
Geschichte
Die erste jüdische Synagoge wurde vermutlich um 1750 auf dem Gelände des Freihofes der Freiherren von Rosenberg errichtet, auf welchem heute die Grundschule steht. 1790 wurde der jüdischen Gemeinde in Gaukönigshofen gestattet, eine jüdische Schule mit neuer Synagoge zu erbauen. Durch das kontinuierliche Wachsen der jüdischen Gemeinde wurde 1842 der Neubau der jüdischen Schule nötig. In Verbindung damit wurde auch gleich der Bau einer größeren Synagoge am Platz der bisherigen beschlossen. Das imposante Gebäude beherbergte Synagoge Religionsschule und Wohnung des Lehrers. Der ehemalige zweigeschossige Betsaal mit obenliegender Frauenempore* nahm den Nordteil des Gebäudes ein. Der Südteil wurde im Erdgeschoss durch die Lehrerwohnung mit Unterrichtsraum und im Obergeschoss durch die Frauengalerie und das Gemeindeversammlungszimmer ausgefüllt. 1900 wurde ein neues jüdisches Gemeindehaus errichtet, da die beengten Verhältnisse im Gebäude nicht mehr zu verantworten waren. Der zweigeschossige Neubau entstand parallel zum heute als Museum genutzten Synagogengebäude.
Zerstörung und Wiederherstellung der Synagoge
Am 10. November 1938 wurde die Synagoge in der Progormnacht demoliert und ihrer Ritual- und Einrichtungs-gegenstände beraubt. Die Kornleuchter, Tora und Ritualien wurden verbrannt und die jüdische Schule vollständig demoliert. Am 28. Juni 1939 brachte die Ge-meinde Gaukönigshofen Synagoge und jüdisches Gemeindehaus an sich und richtete dort Wohnungen ein. Bis in die späten 50er Jahre war das Gebäude als Garage zweckentfremdet. 1985 setzten unter Anleitung des Würzburger Kultusvorstandes David Schus-ter im Gemeinderat unter Bürgermeister Paul Lesch die Vorüberlegungen zur Widerherstellung und Nutzung des ehemaligen Synagogegebäudes ein.
Am 13. März 1987 beschloss der Kreistag die Umgestaltung der Synagoge zu einer Kreis-gedenkstätte. Bei den Renovierungsarbeiten wurde im Juni 1988 eine Genisa auf dem Dachboden entdeckt. Am 16. Oktober 1988 fand 50 Jahre nach dem November-progrom die feierliche Eröffnung der nun als Kreisgedenkstätte wiedererstanden-en ehemaligen Synagoge statt.
Seitdem wurde die Gedenkstätte oftmals von Schulklassen, Privatpersonen oder ehe-maligen Mitbürgern besucht und stellt ein wertvolles historisches Schmuckstück und eine stetige Erinnerung an die jüdische Geschichte von Gaukönigshofen dar.
*Im orthodoxen Judentum beten die Frauen getrennt von den Männern. Aufgrund von räumlichen Grenzen wurden oftmals spezielle Emporen für Frauen errichtet.
Mikwe in Gaukönigshofen
Jüdische Frauen unterziehen sich einmal im Monat einer rituellen Waschung in der sogenannten Mikwe (Tauchbad). Die Mikwen befinden sich in der Regel in Kellern, um den vorgeschriebenen natürlichen (Grund-)Wasserstand zu haben. Die Gemeinde Gaukönigshofen baute im Jahr 1819 auf einem quellenreichen Grundstück in der Nähe für 900 Gulden ein für die Zeit vorbildliches Tauchbad. Das sind umgerechnet 21.714€.
Wenn Sie mehr zur jüdischen Geschichte in Gaukönigshofen erfahren möchten, können sie auch den DenkOrt der Deportationen am alten Bahnhof besichtigen
Tipp!
Jeden 1. Sonntag im Monat (April - Oktober) können Sie das Innere der ehemaligen Synagoge und das anliegende Museum von 14-16 Uhr besichtigen!