Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 veränderte sich die Situation der jüdischen Bevölkerung auch in Gaukönigshofen dramatisch. Sie wurden ausgegrenzt und verfolgt. Wem die Ausreise und Flucht nicht gelang, wurde Opfer zunehmender Gewalt. Ab 1942 wurden Jüdinnen und Juden, Erwachsene ebenso wie Kinder, deportiert und ermordet.
So wie Josef Thalheimer und sein 15jähriger Sohn Walter. Der Vater war Viehhändler und führte einen kleinen Gemischtwarenladen. In seiner Freizeit hatte er sich im Vorstand des Schützenvereins und im Sportverein engagiert. Walters Mutter Martha war an den Folgen des Pogroms gestorben. Aus der Familie Thalheimer überlebte nur der damals 19jährige Sohn Günter, der rechtzeitig ausreisen durfte.
Vor ihrem Wohnhaus erinnern heute Stolpersteine an sie.
Zum alten Bahnhof von Gaukönigshofen führen viele Spuren: Erst hatte der Bahnanschluss wirtschaftlichen Aufschwung ermöglicht: Die jüdische „Landmaschinenbau-Anstalt Weikersheimer“ wurde zum größten Arbeitgeber der Region und auch die jüdische Viehandelsgesellschaft „Companie“ florierte. Im Nationalsozialismus jedoch wurde der Bahnhof dann zu einem Ort des Grauens: 27 Männer, Frauen und Kinder wurden im März 1942 in einen Zug gepfercht, deportiert und ermordet.
Zwei Koffer aus Stein erinnern daran, dass hier Kinder und Erwachsene unter Zwang aus ihrer Heimat verschleppt wurden. Sie tragen diese Erinnerung weiter als eine Mahnung an die Zukunft.
Ein Ebenbild des großen Koffers steht vor dem Hauptbahnhof in Würzburg am DenkOrt Deportation. Abgestellt unter einer Vielzahl anderer Gepäckstücke – alle aus unterfränkischen Orten, in denen einst jüdische Gemeinden existierten.
Erinnert wird auf diese Weise an die Deportation jüdischer Einwohnerinnen und Einwohner dieser Ortschaften in die nationalsozialistischen Vernichtungslager in Osteuropa. Der DenkOrt macht diese Transporte in den Tod sichtbar – zentral in Würzburg und dezentral in rund 100 Gemeinden.
Karte
- Station 1: Der Bildstock Herz-Jesu
- Station 2: Der Bildstock - Kreuzigungsgruppe
- Station 3: Das Relief Tod Mariens
- Station 4: Das Rathaus
- Station 5: Die Katholische Pfarrkirche Hl. Schutzengel
- Station 6: Die Katholische Kapelle St. Nikolaus
- Station 7: Vom Betsaal zum Erinnerungsort
- Station 8: Ein.Tauchen – Das jüdische Ritualbad
- Station 9: Schutz und Herrschaft
- Station 10: Erinnerung weitertragen – Der Alte Bahnhof
- Station 11: Haus des ewigen Lebens – Allersheim